WOHNRIESTER

DIE RIESTER-FÖRDERUNG

Seit 2008 wird das Ziel des mietfreien Wohnens im Alter, als Teil der Altersabsicherung gesehen und ist demnach neben den bestehenden Riesterprodukten wie z.B. der geförderten Rentenversicherung oder dem Bank- und Fondssparplan als förderbares Produkt zertifiziert. Seit 2010 kann bis max. 75 Prozent des Guthabens aus bestehenden Vorsorgeverträgen entnommen werden für den Bau oder den Kauf einer selbstgenutzten Immobilie.
Wer eine Baufinanzierung anstrebt, allerdings noch keinen Riestervertrag besitzt, kann seit November 2009 auf neue Wohn-Riester-Produkte im Markt zurückgreifen um die Förderung für seine Immobilie zu nutzen.
Sie können beim Wohnriestern wahlweise einen Bausaprvertrag abschließen oder die Riesterzulage direkt in das Darlehenskonto fließen lassen.
Anders als bei üblichen Riesterverträgen fließen die steuerbegünstigten Beiträge und Zulagen des Sparers nicht auf ein Sparkonto, sondern direkt in die Tilgung des Darlehensvertrags. Auf diese Weise mindert sich die Zinsbelastung, der Sparer wird schneller schuldenfrei. Die Finanzierung muss allerdings so aufgebaut sein, dass bis spätestens zu 68.Lebensjahr die Immobilie schuldenfrei ist –denn dann beginnt die nachgelagerte Besteuerung der Vorteile, die durch den Riestervertrag gewährt wurden.

Wie hoch sind die Zulagen vom Staat?

Jeder Sparer, der vier Prozent seines beitragspflichtigen Vorjahresbrutto-Einkommens für die Altersvorsorge spart, erhält 154 Euro Grundzulage und für jedes kindergeldberechtigte Kind noch einmal 185 Euro Kinderzulage. Wer weniger einzahlt, bekommt auch die Zulagen nur anteilig. Für Kinder des Geburtsjahrgangs 2009 und später sind es sogar 300 Euro. So erhält eine Familie mit zwei kleinen Kindern, 608 Euro an Fördergeldern. Für Jugendliche unter 25 Jahren gibt es bei Vertragsabschluss einen Berufsanfänger-Bonus von 200 Euro zusätzlich zur Grundzulage.

Wer kann Wohnriester nutzen?
Grundsätzlich kann jeder die staatliche Förderung nutzen, der in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist:
  • Pflichtversicherte Angestellte
  • Selbständige in der gesetzlichen Rentenversicherung
  • Beamte und Empfänger von Amtsbezügen
  • Kindererziehende während der rentenrechtlich zu berücksichtigenden Zeiten
  • Pflichtversicherte in der Alterssicherung der Landwirte
Riester für Selbstständige

Selbständige sind mittelbar förderberechtigt, wenn ihr Ehepartner unmittelbar berechtigt ist (Beispielsweise durch ein sozialversicherungspflichtiges Angestelltenverhältnis). Für eingetragene Lebenspartner und Lebensgefährten gilt diese Regelung allerdings nicht.

Sonderausgaben

Für Selbständige mit einer abgeleiteten Förderberechtigung gilt, dass sie ihre Beiträge nicht als Sonderausgaben steuerlich geltend machen können. Die geleisteten Beitragszahlungen können nur dann bei der Steuer geltend gemacht werden, wenn der Partner den Höchstbetrag von derzeit 1.575 Euro nicht überschreitet. Bei einer jährlichen Zahlung für die private Rentenversicherung von 1.000 Euro kann dieser Betrag als Sonderausgabe bei der Steuer abgesetzt werden.

Nicht berechtigt sind…

Selbständige, Studenten, Rentner und Pensionäre die nicht rentenversicherungspflichtig sind und Versicherte in einer berufsständischen Versorgung. Diese Personen sind nach § 10a EStG nicht förderungsberechtigt. In § 10a EStG ist geregelt, welche Personenkreise zu den mittelbar, unmittelbar und nicht Zulageberechtigten Personen gehören. Als mittelbar begünstigt zählen Verheiratete, deren Ehegatte unmittelbar begünstigt ist. Unmittelbar begünstigt sind Personen, die der unbeschränkten Steuerpflicht unterliegen. Alle weiteren Personen haben indes keinen Anspruch auf die Riester-Rente-Förderung. Folgend ist eine entsprechende Übersicht der jeweiligen Personenkreise aufgelistet. Der indirekte Zulagenanspruch ergibt sich auch beim Sonderausgabenabzug beim Finanzamt.

Unmittelbar begünstigt sind Personen, die der unbeschränkten Steuerpflicht unterliegen:
    • Arbeitnehmer und Selbständige, die rentenversicherungspflichtig sind
    • pflichtversicherte Landwirte
    • Arbeitslosengeld-I-Empfänger
    • ALG-II-Empfänger
    • Erwerbsunfähige, die Krankengeld erhalten
    • Wehr- und Zivildienstleistende (auch: Bundesfreiwilligen-Dienst)
    • Arbeitnehmer im Minijob
    • Beamte und Erziehende
Bitte beachten Sie, dass für steuerlich verbindliche Aussagen ggf. ein Steuerberater hinzuzuziehen ist.
Welche Immobilien sind Riesterfähig?

Die Riesterförderung darf nur für selbstgenutzte Objekte verwendet werden. Was genau unter diesem Begriff zu verstehen ist, definiert Paragraf 92a des Einkommensteuergesetzes. Er legt fest, dass sowohl eine Wohnung in einem Haus als auch Eigentumswohnungen oder Genossenschaftswohnungen einer eingetragenen Genossenschaft der Definition genügen. Weitere Voraussetzung: Die Immobilie muss den Lebensmittelpunkt oder Hauptwohnsitz des Riestersparers bilden. Förderfähig sind damit Immobilien-Neubauten und der Kauf von Gebrauchtimmobilien. Darüber hinaus können sich Riester-Sparer auch einen Genossenschaftsanteil von Wohnungsgenossenschaften mit Riester-Förderung zulegen, vorausgesetzt, der Riester-Sparer wohnt in der Genossenschaftswohnung.

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Während in der Vergangenheit die Wohnung noch in Deutschland sein musste, ist, seit der Europäische Gerichtshof Teile der Riester-Regeln für EU-rechtswidrig einstufte (Az. C 269/07), auch die Förderung für Auslandsobjekte zulässig. Vorausgesetzt, der Riester-Sparer hat seinen Lebensmittelpunkt dort und zahlt weiterhin in die deutsche Rentenversicherung ein.

Was passiert, wenn angespartes Kapital entnommen wird?

In der Regel ist eine Kapitalentnahme bei Riesterverträgen ausgeschlossen. Sollte es aufgrund individueller Konstellation doch möglich sein, muss in diesem Fall mit Kosten gerechnet werden. Bei einer Kündigung geht nicht nur die Riester-Förderung der Vergangenheit verloren, auch das Finanzamt wird sich melden. Sparer müssen dann Zulagen und Steuervorteile der Vergangenheit auf einen Schlag zurückzahlen. Anders natürlich wenn die Kapitalentnahme aus einem klassischen Vertrag für die selbstgenutzte Immobilie oder für einen anderen Vertrag verwendet wird.

Wie können Bauherren den Wohnriester einsetzen?

Wie bereits erwähnt, gibt es verschiedene Möglichkeiten der Riesterförderung für die eigenen vier Wände: Entweder man schließt einen Darlehensvertrag mit direkter Riester-Förderung ab, oder ein entsprechendes Vorfinanzierungsdarlehen, auch Kombi-Kredit genannt. In dieser Konstellation schließen die Interessenten einen Bausparvertrag ab, die Bausparsumme allerdings wird von der Bank mit einem separaten Darlehen vorfinanziert. Getilgt wird das Darlehen bis zur Zuteilung des Bausparvertrages mit der staatlichen Riester-Förderung.

Sind Riester-Darlehen teurer?

Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten. In dem meisten Fällen sind die Konditionen gleich. Wenige Institute verlangen jedoch einen etwas höheren Zinssatz für Riesterdarlehen aufgrund des höheren Verwaltungsaufwandes.

Muss ich Wohnriester versteuern?

Ja. Wer in jungen Jahren steuerfrei anspart, muss mit Renteneintritt die Auszahlung nachträglich versteuern. Für klassische Riester-Produkte heißt das: Auf die Rente, die aus der Riester-Versicherung, dem Riester-Fondssparplan oder dem Riester-Banksparplan fließt, muss der Sparer im Ruhestand Steuern zahlen. Die Auszahlung wird komplett, so wie Arbeitseinkommen betrachtet und besteuert. Bei Wohn-Riester gibt es keine monatliche Rente, die besteuert werden könnte. Daher wird der geldwerte Nutzen, den das mietfreie Wohnen im Alter bietet, besteuert. Um die Summen zu berechnen, betrachtet das Finanzamt ein sogenanntes Wohnförderkonto, auf dem Eigenbeitrag, Zulagen sowie die Tilgungsraten fürs Haus registriert und mit jährlich zwei Prozent verzinst werden. Auf diese Summe zahlt der Rentner dann Steuern. Auch hier wird der Sparer so behandelt, als erhielte er eine monatliche Rente. Allerdings hat der Fiskus die Wahl gelassen, wie der Sparer seine Schulden begleicht. Variante eins: Er zahlt die Steuer auf einen Schlag. In diesem Fall gewährt ihm das Finanzamt einen Rabatt von 30 Prozent und "nur" 70 Prozent des Kapitals auf dem Wohnförderkonto werden dann versteuert. Im Gegenzug verpflichtet sich der Rentner, 20 Jahre lang das Haus oder die Wohnung zu behalten. Als zweite Möglichkeit kann der Sparer die auf sein Riestervermögen entfallende Steuer ab Rentenbeginn 25 Jahre lang monatlich abzahlen, bis er 85 ist -ohne Abschlag. Ob sich dann die Riesterrente noch lohnt, sollte vor Vertragsabschluss geklärt werden.

Da die steuerliche Betrachtung immer individuell ist, empfehlen wir, einen Steuerberater hinzuzuziehen.
Lohnt sich Riester trotz der Steuerlast?

Vor einer hohen Steuerlast im Alter schrecken viele Sparer zurück. Die Sorge ist nicht unbegründet: Werden doch seit 2005 die gesetzliche Rente mit einem bis 2040 jährlich steigenden Steuersatz bis zu 100% erneut belastet, kommen immer mehr Einschränkungen auf Rentner zu. Die Umstellung auf die nachgelagerte Besteuerung 2005 war eine der größten Renteneinschnitte der letzten Jahre, die der Bürger hingenommen hat. Die Vorteile von Wohnriester muss individuell geprüft werden. Grundsätzlich führt die Riester-Förderung zu einer schnelleren Tilgung des Darlehens. Die Darlehensnehmer sparen somit gegenüber nicht geförderten Darlehen monatliche Raten. Wird die monatliche Ersparnis allerdings für Auto, Hobby oder Urlaub ausgegeben, kann die Versteuerung im Alter nicht wettgemacht werden. Wohnriester-Sparer müssen die Ersparnisse daher bis zum Rentenbeginn geschickt anlegen oder die Ersparnis zusätzlich in die Finanzierung einbringen. Nur dann kann sich diese Konstellation rechnen. Wenn mit Hilfe von Riester die eine Finanzierung erst machbar wird, ist dies der falsche Weg. Noch ein Rechenbeispiel zur Steuerlast: Angenommen ein Teil des Darlehens wird über ein Riesterdarlehen finanziert. Wir gehen von 150.000€  aus, welches mit 4,5% Zins und 2% Tilgung zurückgezahlt wird. Festschreibung 15 Jahre, danach 6% Anschlussfinanzierung. Bei zwei Kindern lässt sich die Laufzeit um ca. 4 Jahre reduzieren. Wenn die Eheleute mit 67 Jahren in Rente gehen, belaufen sich die steuerpflichtigen Beträge auf dem Wohnförderkonto auf zusammen rund 128.000 Euro. Bei einer sofortigen Versteuerung wären 89.600€ zu versteuern. Bei einem angenommenen (Grenz-)Steuersatz von 35 Prozent wären 31.360€ Steuern zu zahlen. Bei einem Steuersatz von 40 Prozent wären es 35.840 Euro. Alternativ wären 18 Jahre lang jährlich ca. 7.100 Euro zu versteuern. Bei einem angenommenen Steuersatz von 30 Prozent wären das 2.130 Euro an Steuern pro Jahr. Sie sehen also, man muss die nachgelagerte Besteuerung durchaus in der persönlichen Vorsorgeplanung berücksichtigen um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Bin ich an mein Riesterhaus gebunden?

Wer sich bei der Baufinanzierung vom Staat helfen lässt, sollte sich sicher sein, die Immobilie auch bis zum Lebensende zu nutzen. Andernfalls macht Riestersparen keine Freude. Denn (auch) bei der Riester-Förderung gilt der Grundsatz: Der "Staat" gibt, und will damit auch bestimmen: Eigentümer dürfen daher mit ihrer eigenen Immobilie nicht schalten und walten wie sie wollen. Wollen sie die staatliche Förderung nicht verlieren, sind sie vielleicht in Ihrer Lebensführung eingeschränkt. Auswandern, Umziehen, Verkaufen und Verschenken gelten grundsätzlich als "schädliche Verwendung" des Riester-Kapitals und derartige Verfügungen sind daher nur in sehr engen Grenzen möglich. Andernfalls droht die Rückzahlung der Zulagen und Vorteile.

Freikaufen aus Wohnriester

Als Grundregel gilt: Wer sich von seiner Riester-Immobilie trennen will, muss den Verkaufserlös binnen vier Jahren in ein neues Objekt investieren oder sich mit einem anderen Riester-Produkt freikaufen. Andernfalls fordert das Finanzamt für das Kapital auf dem Wohnförderkonto (Einlagen plus Förderung und Steuern) nach.